Info Border Collie

 

Geschichte

Das Wort "Collie" bzw. "colley"  bedeutet wohl ursprünglich "nützlich". Damit ist eigentlich schon sehr viel über diese Rasse gesagt, denn der Border Collie möchte sich tatsächlich gerne nützlich machen. Sprichwörtlich ist sein "will zu please", das Bestreben, es seinem Menschen recht machen zu wollen.

"Border" bezieht sich darauf, dass die Border Collies wie wir sie heute kennen, aus dem Grenzgebiet zwischen England und Schottland stammen, wo sie zum Hüten und Einsammeln von Schafen dienen. Dieses Gebiet ist sehr weitläufig, die Schafe verbringen Teile des Jahres halb wild und müssen im Herbst wieder zusammengetrieben werden.

Dazu braucht es wetterfeste, ausdauernde, und flinke Hunde, die eigenständig arbeiten können, jedoch auch auf große Distanz gut zu kontrollieren sind.

Border Collies sind  Hütehunde, die eng mit ihrem Hundeführer zusammenarbeiten - im Gegensatz zu den Herdenschutzhunden wie z.B. dem Kuvasz, die ständig mit ihrer Herde zusammenleben und sie gegen wilde Tiere verteidigen. Dabei arbeiten sie leise (im Gegenatz z.B. zu Appenzeller und Entlebucher Sennenhunden, die laut bellend treiben). Besonders charakteristisch ist das langsame und geduckte Anschleichen, wobei das Vieh starr fixiert wird, daher wurden sie auch "Eye dog" genannt.

Rasse

Da die Border Collies lange nur nach ihrer Eignung für ihre Aufgaben weitergezüchtet wurden, hat sich eine "praktische" Größe von um die 50cm, wetterfestes Haarkleid (kurz- oder langhaarig) und ein harmonischer Körperbau "ergeben". Mit gefällt gut, dass es sich um eine "gewachsene" Rasse mit dementsprechender genetischer Vielfalt handelt, im Gegensatz zu vielen Hunderassen, die aus wenigen Stammtieren heraus aufgebaut wurden.

Erlaubt gemäß Rassestandard sind eine Vielzahl von Farben, wobei Weiß nie vorherrschen soll. Die häufigste Farbe ist schwarz-weiß.

Seit 1976 hat die Rasse Border Collie die Anerkennung durch den English Kennel Club, d.h. dass die Hunde nun auch auf Rassehundeausstellungen gezeigt werden konnten. Vorher war die Zucht der Border Collies haupsächlich über die ISDS (International Sheep Dog Society) organisiert, hier liegt der Schwepunkt ganz klar auf der Arbeitsfähigkeit der Hunde.

Außer in Englang wurden und werden die Hunde auch in Australien und in den USA häufig als Arbeitshunde eingesetzt, so dass es heute englische, australische und amerikanische Linien gibt, die jedoch auch unter einander verpaart werden.

Verwendung heute

Zunächst finde ich es wichtig, ein paar Worte zur Vorsicht zu finden: Ich habe mich lange um den Border Collie "herumgeschlichen", weil ich - wie viele Menschen - der Meinung war, das seien Hunde, mit denen man pausenlos joggen, Rad fahren, Bällchen spielen, Hundesport betreiben und dann noch Schafe hütten müsse, damit der Hund glücklich und müde in sein Körbchen fällt.

Mit wurde nahegelegt - danke Elke und Karin! - dass Border Collies zwar Arbeitshunde sind, die je nach Veranlagung mehr oder weniger Beschäftigung brauchen, dass aber eine Hauptaufgabe bei ihrer Aufzucht darin besteht, sie  Ruhe zu lehren. Wenn ich mit einem jungen Hovawart Bällchen spiele, dann hört er in der Regel irgendwann auf und hat keine Lust mehr. Viele Border Collies würden bis zur völligen Erschöpfung immer weiter machen - und ein völlig erschöpfter Hund überdreht irgendwann! Damit schließt sich ein Teufelskreis - der Hund würde lernen, dass er pausenlos gefordert wird und er wäre nervös, da er nicht zur Ruhe kommt. Als Mensch könnte man dann schnell denken, der Hund ist so nervös, der braucht noch mehr Beschäftigung....

Ein gesunder Hund schläft sehr viele Stunden, auch am Tag, auch ein Border Collie. Ich kenne viele entspannte Border Collies, die weder ständig Aufmerksamkeit fordern noch permanent sportliche Höchstleistungen bringen müssen, um glücklich zu sein - weil sie ausgelastet sind und man ihnen in der Aufzucht beigebracht hat, zu ruhen.

Da Züchter ihre Tiere und oft auch deren Vorfahren kennen, können sie meistens gut einschätzen, welches Temperament und wie viel Arbeitseifer die aktuellen Welpen haben werden.

Hier stelle ich nur einige Beispiele vor, der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt....Border Collies werden an (fast) Allem Freude finden, wenn sie wissen, dass sie ihrem Menschen damit eine Freude machen.

 

Hüten

Auch heute noch werden Border Collies zum Hüten von Schafen, Rindern, Gänsen, etc. eingesetzt. Wer einmal die Gelegenheit hat, einen Border beim Arbeiten an den Schafen zu beobachten sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen! Aber Vorsicht: Die Faszination kann so groß sein, dass nicht nur Schäfer auf den Border Collie kommen, sondern auch Border Colliehalter zu Schäfern werden....

Es gibt Zuchtlinien, deren Zuchtziel die Eignung zum Hüten ist. Hunde aus solchen Linien werden als "Familienhunde" oft nicht glücklich, sind nicht ausgelastet und entwickeln lästige Marotten - daher sollte man sich vorher sehr genau informieren.

Shows

Es gibt züchterische "Showlinien", aus denen der Typ Border Collie stammt, wie er auf Ausstellungen gerne gesehen wird. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Hund Bewegung und Beschäftigung brauchen. Mir persönlich gefällt es bei keiner Rasse, wenn Rassemerkmale überbetont werden, besonders dann, wenn es zu Lasten der Gesundheit der Tiere geht - weil z.B. die Hinterhand überbaut ist, was ständig den Eindruck der typischen Border Collie Haltung beim Fixieren erweckt. Ansonsten kann das Showgeschäft ein reizvolles Hobby sein, bei dem man viel Zeit mit seinen Hunden und Gleichgesinnten verbringen kann.

Sport

In den letzten Jahren ist Agility immer beliebter geworden, Border Collies eignen sich hierfür ganz besonders wegen ihrer Wendigkeit, ihrem "will to please" und ihrer Begeisterung für Schnelligkeit. Die Hunde sind wirklich mit außerordentlicher Begeisterung bei der Sache. Hier liegt es in der Verantwortung des Hundeführers, Grenzen zu erkennen und den Hund nicht zu früh (zu jung) und zu viel zu fordern, so dass seine Gesundheit erhalten bleibt. Auch andere Hundesportarten wie Obedience, Treibball,Dogdancing, Zughundesport etc. machen mit Border Collies viel Spaß.

Tiergestützte Therapie

Gar nicht so neu, wie man vielleicht meint, ist die Idee, Tiere einzusetzen um psychische und/oder physische Leiden bei Menschen zu mildern. Wichtig ist, dass nicht das Tier der Therapeut ist sondern der Mensch (z.B Ergotherapeut, Seniorenbetreuer, Ärzte, Psychotherapeuten, Pädagogen, Krankenpfleger etc.), der sein - sorgfältig geschultes - Tier ganz bewußt so einsetzt, dass es seinem Patienten/Klienten/Schüler nutzt. Da Border Collies in der Regel intelligent sind und gerne mit Menschen arbeiten ist diese Arbeit ein sehr interessantes Einsatzgebiet - die Hunde lernen schnell, was ihre Aufgaben sind! Außerdem kann man sich als Therapeut den Hund mit seinem viel feineren Gespür für Stimmungen und Bedürfnisse zunutze machen, wenn man ihn gut lesen kann. Unbedingt erforderlich ist hier eine fundierte Ausbildung von Mensch, Tier und den beiden als Team, denn bei unüberlegtem "Einsatz" ist ein fehlender Nutzen noch das geringste  Problem, es kann zu schweren Unfällen kommen.

Tricks

Border Collies lernen sehr schnell, manchmal auch Dinge, die sie gar nicht lernen sollen....sie sind meist mit absoluter Begeisterung dabei, kleine Tricks zu lernen und dabei auszutüfteln, was ihr Mensch wohl gerade von ihnen möchte. Haben sie die Aufgabe begriffen sind sie dann sehr stolz! Daher ist das Lernen von Tricks eine wunderbare Möglichkeit, seinen Hund zu fordern und auch geistig auszulasten.

Arbeitshunde

Border Collies werden gerne auch als Spürhunde, Rettungshunde, Lawinenhunde, etc. und manchmal auch als Assistenzhunde für Behinderte eingesetzt. Die entsprechenden Ausbildungen sind sehr intensiv und es ergeben sich Möglichkeiten, sehr eng mit seinem Hund als Team zusammenzuarbeiten.